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Neue Perspektiven bei der Vergütung
Autor : Michael Haag,
Bad Kreuznach
Auf der ständigen Suche
nach möglichen Verbesserungen seiner Produkte hat Schneider
Kreuznach einen neuen Weg in der Beschichtungstechnologie
beschritten, durch den sich völlig neue Perspektiven bei der
Vergütung optischer Elemente bieten. Doch zunächst einige Grundlagen der
Antireflexionsbeschichtung:
Die Antireflexionsschicht
An einem Übergang
zwischen Luft und Glas werden je nach Glassorte und Einfallswinkel
etwa 4-9 % des Lichts reflektiert. Bei einem Objektiv mit
6 Linsengruppen bzw. 12 Glas-Luft-Übergängen würde etwa
die Hälfte des Lichts durch solche Reflexionen verlorengehen! Nicht
weniger störend ist die durch Mehrfachreflexionen innerhalb eines
Linsensystems auftretende Kontrastminderung, was sich in
"flauen" Bildern äußert. Deshalb werden die Linsen mit
einer dünnen Antireflexions(AR)-Schicht vergütet, die die
störende Spiegelung – je nach Ausführung – bis unter
0,5 % Restreflexion pro Oberfläche herabsetzt. Zudem bieten
diese kratz- und wischfesten Schichten einen guten Schutz vor
chemischen Veränderungen des Glases.
Das physikalische
Prinzip
Wie können Reflexionen
an Glas mit einer dünnen Schicht auf dem Glas unterdrückt werden?
Das physikalische Prinzip ist folgendes:
An einer beschichteten
Glasoberfläche wird sowohl am Luft-Schicht-Übergang als auch am
Schicht-Glas-Übergang ein Teil des Lichts reflektiert. Werden
Schichtdicke und -material geeignet gewählt, kommt es nun teilweise
zu einer gegenseitigen Auslöschung der beiden an den Grenzflächen
reflektierten Strahlen durch Interferenz, bei gleichzeitiger
Verstärkung der durchgehenden Lichtstrahlen. Dies ist das
Grundprinzip einer Antireflexionsbeschichtung. Die Dicke einer
solchen Schicht ist dabei kleiner als die Wellenlänge des Lichts.
Zum Vergleich: Ein menschliches Haar ist etwa 250 mal so dick.
Schon mit einer einzigen Schicht
(Einfachschicht-Entspiegelung) kann die Restreflexion auf ca.
1-2 % gesenkt werden. Um aber über den gesamten sichtbaren
Bereich eine Restreflexion von unter 0,5 % zu erreichen,
müssen mehrere Schichten aufgebracht werden. Diese Mehrfachschicht-
bzw. Multicoating(MC)-Systeme bestehen je nach Glasart und
Beschichtungsmaterialien aus 3-7 Einzelschichten.
Die Technologie
Das allgemein übliche
Verfahren zum Herstellen von AR-Schichten ist das Aufdampfen von
transparenten Metallverbindungen im Hochvakuum. Die
Schichtsubstanzen werden dabei in einem Tiegel verdampft und
kondensieren danach auf der Glasoberfläche. Während des Prozesses
müssen die Linsen - zwecks besserer Haftung der Schichten - auf ca.
270 °C aufgeheizt werden.
Ein neu entwickeltes
und verbessertes Beschichtungsverfahren wird bei Schneider
eingesetzt. Hier wird zusätzlich zu dem konventionellen
Aufdampfprozeß in der Vakuumkammer ein Plasma erzeugt, dessen Ionen
die entstehende Schicht mit hoher Energie "bombardieren"
und diese so verdichten.
Der Vorteil: Auch ohne
Aufheizen der Linsen können mit diesem Verfahren Schichten erzeugt
werden, die wesentlich widerstandsfähiger und haftfester sind als
bei dem konventionellen Verdampfen. Daher ist dieses
"kalte" Verfahren auch sehr gut für hitzeempfindliche
Kunststofflinsen geeignet (Brillen) und bietet diesen z.B. bei der
Schneider Kristall-Vergütung mit einer zusätzlichen Hartschicht
einen hervorragenden Schutz vor Kratzern. Außerdem können auch
Systeme mit sehr vielen Schichten realisiert werden. So besteht z.B.
das Interferenzfilter UV-IR-Cut von B+W aus 32 einzelnen Schichten,
was mit konventionellen Verfahren schwer zu realisieren wäre.
Das
Beschichtungszentrum von Schneider Kreuznach
Im Beschichtungszentrum von Schneider Kreuznach wird
modernste Technologie eingesetzt.
Alle Anlagen befinden sich in einem sog. Reinraum, der
besonders staubarm ist, um eine größtmögliche
Sauberkeit der Linsenoberflächen zu gewährleisten. Der Raum kann
nur durch eine Schleuse betreten werden und jeder Mitarbeiter trägt
entsprechende Reinraumkleidung.
Die Anlagen verfügen
über eine Computersteuerung und werden vollautomatisch betrieben.
Durch eine genaue Prozeßüberwachung wird eine gleichbleibend gute
Qualität gewährleistet. Zusätzlich werden alle Beschichtungen auf
Restreflexion und Haftfestigkeit geprüft. Bis zu 300 Linsen oder
Filter können in einer Charge bedampft werden.
Interferenz
Physikalisches Phänomen, bedingt durch die Wellennatur des
Lichts. Dabei kommt es zu einer Auslöschung, wenn ein Wellenberg
und ein Wellental aufeinandertreffen.
Plasma
Gasförmiges Gemisch aus Ionen, Elektronen und
Neutralteilchen. Zu finden auch in Leuchtstoffröhren und Flammen. |